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Die nächsten Konzert-Projekte


"Die Kunst der Fuge"

Studien nach Bachs Kunst der Fuge von Reinhard Febel (1952) für zwei Klaviere
Ein Auftragswerk der Ansbacher Bachwochen 2015. Uraufführung: 6.8.2015

Studien nach Bachs Kunst der Fuge von Reinhard Febel

Es mag merkwürdig klingen: Bachs Fugen sind, so wie sie da stehen, schon so komplex und in sich quasi endgültig abgeschlossen, und nun kommt ein zeitgenössischer Komponist und möchte dieses polyphone Gewebe weiter verarbeiten? Wohin? Und wie soll das, bitte schön, überhaupt funktionieren?

Studien - man kann das Wort als ein Synonym für Etüden verstehen, eine Art Übung, wie sie von Czerny, Chopin oder Debussy konzipiert wurden. Also: Ein Musikstück, das eine gewisse musikalische Schwierigkeit trainiert, durch ständiges Repetieren die Kompetenz des ausübenden Musikers erhöht. Es können darunter sowohl rhythmische, pianistische als auch rein klangliche Aufgaben sein.

Man könnte Studien aber auch verstehen als eine kompositorische Etüde, also eine Übung, die dem Komponisten ein gewisses Training auferlegt. Nur, dass der Komponist nicht bei Null anfängt, sondern sich ein bereits vorhandenes Werk als Grundlage nimmt und darauf "trainiert".

"Studie nach" könnte also auch im Sinne von "fantasieren nach" oder "angeregt durch" verstanden werden. Es könnte sein, dass ein Komponist eine Komposition eines anderen Meisters hört, davon total begeistert, ja erotisiert ist - am liebsten hätte er selber das Werk geschrieben... Das geht leider nicht mehr. Was jedoch geht, ist die eigene Kreativität loszulassen, loszuschicken, ihr Flügel zu verleihen und das Ergebnis als Studie in die Welt zu setzen.

In Febels Fall treffen alle diese Varianten zusammen! Die beiden Pianisten werden viel zusammen üben müssen um das Werk zu meistern, und der Komponist musste sehr sorgfältig die geniale Vorlage studieren und verstehen, um die so raffinierte und exquisite Modifikationen zu ersinnen und auszuarbeiten.

In Ansbach (6.8.2015) kommen sieben der insgesamt 18 Studien zur Aufführung. Wir hoffen, im Laufe der nächsten Jahre alle restlichen Studien nach und nach einstudieren und dann als ein abendfüllendes Programm darbieten zu können.

"TRAUMMEER"

Seit einigen Jahren spielen wir immer wieder, und äußerst gerne, eine Komposition für zwei Klaviere und Orchester von Toru Takemitsu (1930 – 1996): "Quotations of Dream" aus dem Jahre 1991. Takemitsu zitiert in seiner Komposition etliche Male Ausschnitte aus Debussys "La Mer", um diese danach weiterzuspinnen und traumversunken seine eigene Klangwelten zu durchschreiten. Takemitsu besinnt sich dabei auf eine Zeile aus einem Gedicht von Emily Dickinson: „Say, sea, take me“. In diesem Gedicht bittet das sich dieses wünschende lyrische Ich, vom Meer angenommen zu werden, um sich dort endlich aufzulösen.

Die Idee der Zusammenführung beider Werken konnten wir zum ersten Mal in einem Konzert am 12.12.2014 realisieren und zwar mit dem NDR Orchester. Die Transkription für zwei Klavieren von La Mer besorgte André Caplet (1878 - 1925).

Als Musiker kommen wir natürlich unentwegt in Berührung mit der Musik Debussys, aber seit etwa drei Jahren hat unser Zugang zu seiner Musik eine zusätzliche Dimension gewonnen. Die intensive Auseinandersetzung mit "En blanc et noir" und "L'apres midi d'un faune" weckte in uns spezifische Hör-Tentakel und mit dieser "Ausrüstung" haben wir nun "La Mer" für unser Ohr erobert. Die sinnliche, begrifflose Erfassung der Natur wird in diesem Werk in einer Perfektion des Ausdrucks zum Klingen gebracht, die von ungeahnter Schönheit ist.

Das Duo hat in einem Interview im Hamburger Abendblatt über dieses Projekt erzählt. Darin befindet sich z.B. die Antwort auf die Frage: "Wie lernten Sie Takemitsus Konzert für zwei Klaviere und Orchester erstmals kennen, und wie würden Sie den Bezug zu Debussy beschreiben, den der japanische Komponist hier sucht?"


"DIE BERAUSCHTEN": Wagnerverehrung an beiden Rheinufern

R. Wagner Ouverture du Vaisseau Fantôme
Der Fliegende Holländer
Fassung 1860, Arr. C. Debussy 1890
C. Debussy En blanc et noir (1915)
R. Wagner Götterdämmerung. Siegfried's Tod
Bearbeitung: Alfred Pringsheim 1879
  - PAUSE -
R. Wagner Tannhäuser.
Bacchanale - Le Vénusberg
Fassung 1861, Arr. Paul Dukas 1893
C. Debussy Prélude à l'après-midi d'un faune 1892 – 1894
Arr. C. Debussy 1895?
R. Wagner Götterdämmerung
Siegfried's Leichenfeier und Schluss-Scene
Bearbeitung: Alfred Pringsheim 1879

Das Programm hat zwei Achsen: Einerseits reflektiert es den spezifischen "Wagnérisme" in Frankreich und anderseits präsentiert es zum ersten Mal Wagner-Bearbeitungen aus der Feder Alfred Pringsheims (Thomas Manns jüdischem Schwiegervater).

Das umfangreiche Thema Wagner - Frankreich wurde schon öfters besprochen und beschrieben. Trotzdem sind die Wagner-Transkriptionen von Debussy und vor allem die von Dukas ziemlich unbekannt geblieben. Verglichen mit dem französischen "Wagnérisme" ist jedoch die Verbindung Wagner und Pringsheim im Bewusstsein der Wagnerforschung insgesamt und erst recht des allgemeinen Publikums so gut wie nicht vorhanden.

Wir sind in der glücklichen Lage, Zugang bekommen zu haben zu weitgehend unbekannten Bearbeitungen von A. Pringsheim, die noch unveröffentlicht in seinem Nachlass schlummern.

Das Faszinierende und Spannende an dem Programm, außer dem sensationellen Fund und der grandiosen Kunst Wagners, ist die Wandelbarkeit der Musik Debussys. Im "Prélude à l'après-midi d'un faune" entspringt seine musikalische Inspiration noch aus der Erotik von Wagners Tristan, wobei in "En blanc et noir", einem Kriegsstück und einer Art musikalische Kopfgeburt, die Entfernung von Wagner mehr als vollzogen ist: Wenn man die versteckte Symbolik wahrnimmt, erkennt man, dass sich die einst glühende Verehrung in brüske Ablehnung verwandelt hat.

Nike Wagner
Yaara Tal, Nike Wagner und Andreas Groethuysen


"Zurück vom Ring!"

Parallel zur Einstudierung des Programms "Die Berauschten" (Wagner-Debussy) entwickelte Yaara ein Erklärungsmodel, um die enigmatische Erscheinung von "En blanc et noir" zu erhellen. Ihre eigenwillige Erkenntnisse sind nun im Aufsatz "Zurück vom Ring!" zusammengetragen und sind ab sofort hier zum Download bereit.


FAZ: "Tal und Groethuysen sind eines der erfolgreichsten, besten Klavierduos weltweit"

Am 1. Mai 2014 ist der seit 7 Jahren in "künstlicher Koma befindlichen Kultfestival in Badenweiler wieder zum Leben erwacht! Yaara und Andreas fühlten sich sehr geehrt, als gerade sie eingeladen wurden, das Eröffnungskonzert zu spielen.

Umso grösser ist nun die Freude einige schmeichelnde Besprechungen vorzufinden, darunter auch die von den Feuilleton-Journalisten der FAZ und der NZZ. Besonders befriedigend ist die Einschätzung der Rezensentin der FAZ, Eleonore Büning, zu der allgemeinen künstlerischen Leistung des Duos: "Tal und Groethuysen sind eines der erfolgreichsten, besten Klavierduos weltweit. ... und obgleich dies eine der zerbrechlichsten, intimsten Musizierformationen sein mag, obwohl auch das Repertoire dafür sehr überschaubar ist, gab es doch nie eine Phase, wo man so etwas wie Erschlaffung oder auch nur einen Anflug von Routine spüren konnte bei Tal/Groethuysen. Ihr Zusammenspiel ist leuchtend, brillant, wie aus einem Guss. Betörend schön die dynamisch ausdifferenzierten, fein abgestimmten Farbvaleurs in der gemeinsamen „Klangrede“."

Diese Beobachtung wird ergänzt durch die Worte des NZZ-Kritikers Peter Hagmann: "Glänzend im Zusammenspiel, differenziert in der Dynamik und lebendig in der Agogik stellten Yaara Tal und Andreas Groethuysen Ausschnitte aus Opern und Musikdramen Richard Wagners vor."

Das Programm beinhaltete auch den enigmatischen Zyklus Debussys "En blanc et noir". Zu diesem Werk hat Yaara eine eingehende Abhandlung verfasst: Auf ihren Text bezieht sich der NZZ-Rezensent mit der Bemerkung: "In diesem dreiteiligen Stück von 1915 bildet sich, wie Yaara Tal in einer feinsinnigen Analyse nachgewiesen hat, die Begeisterung wie die Ablehnung Debussys gegenüber Wagner in zahlreichen Bezügen ab – in einer kleinen Einführung mit Beispielen führte das Andreas Groethuysen aus. Die etwas spröde Musik Debussys fand so mit einem Mal stupende Fasslichkeit und bewegende Ausdrücklichkeit."

“Götterdämmerung“ ist die mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete CD des Duos. Dazu notiert Büning weiter: "Voriges Jahr brachten sie einen Knüller heraus: Sie nahmen erstmals einige der Wagnerbearbeitungen von Alfred Pringsheim auf, dem Schwiegervater Thomas Manns, der ein Förderer Wagners war....In Badenweiler spielen sie nun Pringsheims Paraphrase auf „Siegfrieds Tod“ wie ein Vorspiel zum zweiten Satz aus Debussys „En blanc et noir“: Fließende Übergänge! Eine Offenbarung! ... Und wie etwa das flirrende „Tannhäuser“-Bacchanal Wagners, in einer Klavierbearbeitung von Paul Dukas, geradezu zwingend harmonisch hinübergeistert in Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“, das hat man gar nie für möglich gehalten."

Weitere Besprechungen aus der badischen Presse finden Sie unter;

Credits: Lauer & Lauer
Lauer & Lauer

Alfred Pringsheim

Alfred Pringsheim

"PANORAMA": Programm für zwei Klaviere

W.F. Bach Concerto F-Dur
W.A. Mozart Adagio und Fuge c-Moll KV 546
W.A. Mozart Sonate D-Dur KV 448
  - PAUSE -
T. Ysaÿe Variationen op. 10
C. Debussy Prélude à l'après-midi d'un faune
Arr. Claude Debussy
R. Strauss Till Eulenspiegels lustige Streiche
Arr. Otto Singer

Dieses bunte Programm ist so zusammengemischt, dass quasi für jeden etwas dabei ist: Präklassisches, Klassisches, Spätromantisches, Mehrstimmiges, Virtuoses, Originalliteratur, Transkriptionen, Raritäten...

Was nach außen vielleicht etwas zusammengewürfelt aussehen mag, ist unterschwellig aufeinander bezogen: W.F.Bach diente als Vorbild für Mozart in seinen polyphonen Studien, und Strauss war ein grosser Verehrer Mozarts. Theo Ysaÿes völlig vergessene, prachtvolle Variationen oszillieren zwischen den Stilen Cesar Francks und Claude Debussys, dessen verträumter Faun fast zur gleichen Zeit wie der unangepasste Till Eulenspiegel entstanden ist.

Presse und Publikum goutierten diese Zusammenstellung mit Begeisterung: Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG betitelt die Besprechung mit "Brillant" (17.11.2011) und klärt auf: "Was den Duoabend von Yaara Tal und Andreas Groethuysen im Herkulessaal einzigartig macht, ist dieser stete, natürlich unaufdringliche, bezwingende Fluss in der Fülle der Mannigfaltigkeiten... So durchzieht eine geheimnisvolle Dramaturgie am Ende auch dieses gesamte Programm".

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (20.3.2012) beschreibt die Wiedergabe der Straussen Tondichtung so: "Blendend die Virtuosität des Zusammenspiels von Yaara Tal und Andreas Groethuysen und die Leichtigkeit, die vergessen machte, dass es sich hier rein technisch um anspruchsvollste Kost handelt.

Nicht minder eindrücklich das singende Legato und die Kultur des Leisen, die davor das «Prélude à l'après-midi d'un faune» von Claude Debussy zu einer Überraschung gemacht hatte. Wie würde der lange Flötenton klingen, mit dem das Stück anhebt, wie das Wechselspiel der Farben? Die Frage stellte sich nicht, so geschmeidig zog das Duo durch Debussys eigene Fassung für zwei Klaviere."

Die KIELER NACHRICHTEN (31.1.2012) schliessen ab: "Die zweite Konzerthälfte geriet vor hingerissenem Publikum zu einem wahren Rausch der Klänge".

Panorama

Till Eulenspiegel

Toulouse Jacobins Cloitre

Toulouse. Kreuzgang des Jacobinen-Klosters.
Am 7. September 2012 hat T&G dort im Rahmen des erstklassigen Klavierfestivals "Piano aux Jacobins" das Panorama Programm gespielt.

"GROSSE FUGE"

Beethoven’s „Grosse Fuge“, ein der bahnbrechenden Werke aller Zeiten, ist bekannt als eine Komposition für ein Streichquartett. Dass der Meister selber von diesem avantgardistischen Werk auch eine Version für Klavier zu vier Händen verfasste, ist in Relation dazu so gut wie unbekannt.

Im Jahr 2005 gelang diese Fassung zeitweise ins Zentrum der geneigten Wahrnehmung, als das bis dahin als verschollen geltende Autograph per Zufall in einem Bibliothek in Pennsylvania aufgetaucht ist. Im Zuge der Entdeckung des Manuskripts hat das G. Henle Verlag eine revidierte Edition des Werkes veröffentlicht, versehen mit Fingersätzen von Andreas Groethuysen.

Das Duo hat sich mit diesem einzigartigen Werk seit längerem immer wieder befasst, und so lag es nah, dass es die Idee hegte die „Grosse Fuge“ in einem Konzert aufzuführen in dem auch die Quartettfassung erklingt.

Diese Idee wird im Februar 2013 Realität: Das Artemis Quartett, also das crème de la crème aller Quartette, konnte für das Projekt gewonnen werden! Das Konzertprogramm beinhaltet nebst beiden Versionen der „Grossen Fuge“ auch zwei Kompositionen von Mendelssohn. Der Kammermusik-Abend findet eine glanzvolle Abrundung, wenn das Quartett gemeinsam mit dem Duo das Oktett op. 20 von Mendelssohn, in einer ungewöhnlichen Transkription von C. Burchardt, ausführt.

Manuskript Grosse Fuge

Tal & Groethuysen: Große Fuge
Foto: Poscharsky-Ziegler
Applaus für T&G und Artemis