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ProjekteYaara Tal & Andreas GroethuysenAndreas GroethuysenYaara Tal

CD-Projekte

Tracing Bach

Inhalt kommt

Beethoven's World

Ein Repertoire am Rande der Wahrnehmung

Es ist immer wieder spannend zu erfahren - gleichzeitig aber schwer vorstellbar, dass in der Schnittstelle von Klassik und Romantik so viele Komponisten am Produzieren waren, die zu Lebzeiten grosse Erfolge genossen und über den gesamten Kontinent Anerkennung und Reputation erfahren haben - während ihre Namen uns heute kaum noch etwas sagen. Wenn man beispielsweise bedenkt, dass die Bedeutung von Anton Eberl (1765 - 1807) in einer zeitgenössischen Besprechung der von Beethoven gleichgestellt wurde oder er teilweise sogar “besser” weg kam, wird man doch neugierig - und freut sich, eine Gelegenheit zu haben, etwas von diesem wenig bekannten Meister kennen zu lernen.

Zu diesem Kontext - also, Werke von Komponisten, die im Schatten Beethovens (vor allem aus unserer heutigen Warte betrachtet) gewirkt haben, zählt auch das Werk von Jan Ladislaus Dussek (1760 - 1812). Von Eberl und Dussek liegen Konzerte für zwei Klavieren und Orchester vor, die beiden nun mit dem Duo, dem HR Symphonie Orchester unter der Leitung von Reinhard Goebel für Sony eingespielt worden sind. Beide Kompositionen haben einen individuellen Charakter, sie sind pianistisch phantasievoll, entwickeln einen unwiderstehlichen Klangzauber, und man spürt regelrecht, dass beide Tonsetzer die rasante Verwandlung des Klaviers in der damaligen Zeit mit Begeisterung und Inspiration verfolgt haben.

Auf der CD sind noch zwei weitere Kompositionen für Orchester zu finden: „ La Follia di Spagna“ komponiert von Josef von Eybler (1765 - 1846) und vom Beethoven selbst ein Gratulations-Menuett aus dem Jahr 1822.

Für uns, denen solche Persönlichkeiten - Beethoven natürlich ausgenommen - höchstens als Namen, mit spärlichen Klangvorstellungen unterfüttert, bekannt sind, gleichen sie sich ziemlich untereinander. Studiert man aber ihre Lebenswege, sieht man doch, wie unterschiedlich ihre Biografien waren. Für diejenigen, die etwas Zeit haben, wäre etwa das Leben des J. L. Dussek ein Tipp für Nachforschungen: Ein wahrer Lebemann! Im Vergleich dazu sind die Eckdaten eines Carl Czerny, dessen Bedeutung für die Kultur des Klavierspiels unvergleichlich grösser war, ja geradezu eine Pionier-Funktion hatte, eher recht „grau“ und uninteressant. Nach außen geradezu ein „Biedermann“….

Die CD ist am 16.10.2020 erschienen

Jan Ladislaus Dussek

Jan Ladislaus Dussek, ein Gemälde von Henri-Pierre Danloux (1795)

18 Studien nach Bachs „Kunst der Fuge“
von Reinhard Febel

Studien nach Bachs Kunst der Fuge von Reinhard Febel (1952) für zwei Klaviere
Ein Auftragswerk der Ansbacher Bachwochen 2015. Uraufführung: 6.8.2015

Studien nach Bachs Kunst der Fuge von Reinhard Febel

Es mag merkwürdig klingen: Bachs Fugen sind, so wie sie da stehen, schon so komplex und in sich quasi endgültig abgeschlossen, und nun kommt ein zeitgenössischer Komponist und möchte dieses polyphone Gewebe weiter verarbeiten? Wohin? Und wie soll das, bitte schön, überhaupt funktionieren?

Studien - man kann das Wort als ein Synonym für Etüden verstehen, eine Art Übung, wie sie von Czerny, Chopin oder Debussy konzipiert wurden. Also: Ein Musikstück, das eine gewisse musikalische Schwierigkeit trainiert, durch ständiges Repetieren die Kompetenz des ausübenden Musikers erhöht. Es können darunter sowohl rhythmische, pianistische als auch rein klangliche Aufgaben sein.

Man könnte Studien aber auch verstehen als eine kompositorische Etüde, also eine Übung, die dem Komponisten ein gewisses Training auferlegt. Nur, dass der Komponist nicht bei Null anfängt, sondern sich ein bereits vorhandenes Werk als Grundlage nimmt und darauf "trainiert".

"Studie nach" könnte also auch im Sinne von "fantasieren nach" oder "angeregt durch" verstanden werden. Es könnte sein, dass ein Komponist eine Komposition eines anderen Meisters hört, davon total begeistert, ja erotisiert ist - am liebsten hätte er selber das Werk geschrieben... Das geht leider nicht mehr. Was jedoch geht, ist die eigene Kreativität loszulassen, loszuschicken, ihr Flügel zu verleihen und das Ergebnis als Studie in die Welt zu setzen.

In Febels Fall treffen alle diese Varianten zusammen! Die beiden Pianisten werden viel zusammen üben müssen um das Werk zu meistern, und der Komponist musste sehr sorgfältig die geniale Vorlage studieren und verstehen, um die so raffinierte und exquisite Modifikationen zu ersinnen und auszuarbeiten.

 

DIE KUNST DES STAUNENS
SZ-Redakteure erinnern sich an die Erlebnisse,
die sie 2017 am meisten verzaubert haben.

Süddeutsche Zeitung, Silvesterausgabe 2017

Es waren insgesamt 14 Journalisten die um einen Beitrag gebeten worden sind. Eine von ihnen ist Rita Aargauer. Für sie war der Klavierabend des Duos im Herkulessaal Ende November so ein Ereignis. Sie konzentriert sich auf die zweite, recht lange Hälfte des Abends, da wo Reinhard Febels Studien nach J.S.Bachs Kunst der Fuge erklangen.

Es war zunächst weder für sie noch für das Publikum ein lässiges, softes Leckerbissen, wie sie schreibt ganz unverblümt: "Einige verlassen den Saal sofort, einige nach den ersten Teilstücken. Wer bleibt erlebt Musik, völlig neu und gleichzeitig zutiefst bekannt. Unfassbar kompliziert und dennoch zart berührend." Anschliessend resümiert sie: "Manchmal kommt die Magie aus der Hinterhand. Dann, wenn man es am wenigsten erwartet und man sich überwindet auszuharren."


"Ein Konzertabend mit Seltenheitswert: konzeptionell spannend und von der Qualität eine Klasse für sich – kurz: das Gipfeltreffen zweier Spitzen-formationen."

Andreas Göbel, kulturradio

LOVE? Homage to Clara Schumann

ANLÄSSLICH DES GEBURTSTAGES VON CLARA SCHUMANN AM 13.9.2019

Clara Wieck

Clara Wieck zur der Zeit als sie die Romanzen op. 11 komponierte.

„Die Webenau liebt mich“

Allein schon diese Notiz in Robert Schumanns Tagebuch aus der Wienerzeit ist höchst anregend. Später schreibt er noch: „Gestern brach es bei der Webenau mehr als je hervor“. Die Webenau, geborene Baroni-Cavalcabò, selbst eine Pianistin und Komponistin, war später auch die Widmunsgträgerin seiner großangelegten Humoresque op 20. Als in ihrer Werkliste unter anderem auch eine Komposition zu finden war, die sie wiederum Robert zugeeignet hat und die mit dem Titel L’adieu et le Retour (1839) versehen ist, wurde meine Neugierde erst recht geweckt: Wo blieb dabei Clara Wieck als Muse, als Kunstgefährtin? Die Antwort lautet: Nicht weit entfernt! 1838/1839 widmete Clara nämlich ihrem heimlichen Verlobten die Trois Romances op. 11. Sie war nicht wegzudenken und auch nicht „wegzukomponieren“. Es könnte von Interesse sein sich zu fragen, mit wem sonst noch Clara ihren Robert zu teilen gezwungen war? Auch umgekehrt gefragt könnte es ein durchaus erhellendes Licht auf den schöpferischen Eros dieses einmaligen Paars werfen. So wären am Ende wohl auch die ihr gewidmeten Präludien von Theodor Kirchner zu rezipieren.

Theodor Kirchner

Theodor Kirchner

Die Beziehung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms hingegen ist seit je her ein mit Thema, das die Fantasie beflügelt: Dieses Verhältnis war durch gegenseitige tiefe Verehrung und Bewunderung geprägt. Weniger bekannt sind dagegen die Liebesgefühle, die Johannes Brahms gegenüber Julie Schumann, dem dritten Kind von Clara und Robert, hegte. Als Julie 16 Jahre wurde, widmete Brahms ihr seine Variationen für Klavier zu vier Händen über ein Thema ihres verstorbenen Vaters, und als sie sechs Jahre später heiratete, komponierte er als eine Art Brautgesang die Rhapsodie op. 53, die als Alt-Rhapsodie bekannt ist.

Da wurde ich stutzig: Dieses traurige Lied als Hochzeitsgeschenk? Musik auf ein Textfragment aus Goethes „Harzreise im Winter“, das kaum düsterer sein könnte? Und warum mit einer Altstimme und einem Männerchor besetzt? Warum wurde nicht männliche Kehle mit dieser „Schneeverfasstheit“ betraut? Sollten – gleich Engeln von oben, wärmend, schützend, tröstend – anstelle von Männern hier nicht Frauen singen? Als Antwort auf diese Fragen entstand die Fassung auf diesem Album. Gewiss: Brahms’ Musik bedarf keiner Korrektur! Aber warum sollte man nicht einmal versuchen, das Stück anders erklingen zu lassen...

Julie Schumann und Brahms

Johannes Brahms und Julie Schumann

Ich bin dem Chor des Bayerischen Rundfunks sehr dankbar für die Bereitschaft dieses Experiment durchzuführen, sowie dem Tenor Julian Prégardien, und dem Dirigenten Yuval Weinberg. Für die sorgfältige Notenherstellung dieser Fassung bedanke ich mich bei Lukas-Fabian Moser und David Zell.

Mein herzlicher Dank gilt ebenfalls den Musikwissenschaftlern Dr. Karsten Nottelmann (zu Julie von Webenau) und Dr. Michael Struck (Brahms Gesamtausgabe) für ihre langjährige Unterstützung.

Yaara Tal, München 2019

Diese CD ist am 9.8.2019 erschienen

Karol Rathaus:  Konzert für Klavier und Orchester

Das Klavierkonzert vom Karol Rathaus mit Yaara und den Warschauer Philharmonikern

Karol RathausDer Komponist Karol Rathaus (1895 - 1954) ist in Tarnopol (östlich von Lemberg, damals Österreich, heute Ukraine) geboren. Er studierte bei Schreker in Wien und Berlin. Sein Oeuvre umfasst alle Gattungen: Symphonien, Oper, Ballettmusik, Kammermusik , Klaviermusik etc. 1939 musste er vor der Nazi-Diktatur fliehen und fand in den USA eine neue Heimat, wo er ab 1940 am Queens College (NY) unterrichtete. Rathaus gehört zu der “verlorenen Generation" von Künstlern, die wegen Flucht, Krieg und Emigration die ihnen zustehende Anerkennung nicht haben erfahren können.

Das Konzert für Klavier und Orchester ist 1939 entstanden. Es ist ein ernstes, jedoch kraftvolles und drängendes Werk. Die musikalische Sprache basiert auf einem zwingenden, eigenständigen Tonsystem, das Motivmaterial wird rhapsodisch-polyphon durchgeführt, wobei das Klavier über lange Strecken engmaschig mit dem Orchesterklang verwoben ist.

Es stellt eine grosse Bereicherung für die Klavier-Literatur aus dieser Epoche dar, und es wäre mehr als wünschenswert, dass diese Komposition den Weg in das allgemeine Konzertrepertoire findet. Das Werk und Rathaus haben es voll verdient!

Diese CD ist in Februar 2019 erschienen

"POLONAISE"

FRANZ XAVER MOZART ODER DIE GEBURTSSTUNDE DER ROMANTISCHEN POLONAISE

Die Ungunst der Stunde wollte es, dass der Sohn nur vier Monate vor dem Tod des Vaters geboren wurde. Doch obwohl die Zeit fehlte, den Vater noch kennenzulernen, sollte sein Schicksal ein Leben lang an den berühmten Vater gebunden bleiben. Die Strategie, mit der die Mutter Constanze sein Dasein als Sohn inszenierte, machte aus ihm einen Artikel, der zum Label Mozart gehörte, den die Mutter so gut zu vermarkten wusste. Dem von Natur aus sehr zarten Kind war die Rolle des erfolgreichen, genialen Erben zugedacht: Ruhmreich wie der Papa zu sein war Auftrag und Befehl zugleich. Dass er trotz dieses enormen Drucks überhaupt eine Existenz als Musiker führen konnte, ist wohl das untrüglichste Zeichen für seine außergewöhnliche musikalische Begabung als Pianist und Komponist.

Der Wechsel nach Galizien mit siebzehn Jahren hätte ein Befreiungsschlag sein können, ein Durchbruch ins Eigene – und fast wäre es ihm auch geglückt! Die Polonaisen, die zwischen 1811 und 1818 entstanden, werfen ein helles Licht auf diese Verheißung. Weisen die zahlreichen Variationswerke für Klavier auf die virtuose und eigenwillige Benutzung der Tastatur und der Hand hin, so offenbaren die Polonaisen den Drang und die Sehnsucht nach einer neuen Welt und Ausdrucksweise, die nicht mehr in der Klassik ver- wurzelt ist. Doch wohin und wie weit die seelische Wanderung noch hätte führen können, bleibt im Ungewissen, da die Zeit und der Geist dafür noch nicht reif waren.

Aber just dieses Schweben in stilistischer Ungewissheit, das Bekenntnis zum Bezug-Entzug verleiht diesen Piecen ihren eigentümlichen Reiz. Und es mutet beinahe paradox an, dass der Ausdruck einer so vagen Befindlichkeit im Laufe der Entstehungszeit der Polonaisen an Klarheit und Kühnheit noch gewinnt! Besonders charakteristisch sind die unzähligen Ausführungszeichen, die Dynamik und Tempo betreffen. Da könnte es Franz Xaver durchaus mit Mahler und Reger aufnehmen! Die Anweisungen für die Spieler sind biswei- len recht widersprüchlich und deuten in diverse Richtungen – und dies auf engstem Raum. Damit hob er sich klar von der Praxis des Vaters ab, der mit solchen Empfehlungen bekanntlich höchst sparsam umging. Ähnlich hinge- gen ist Franz Xaver dem Vater, wenn es um die perfekte Bildung der Harmonie auf der Tastatur, um das Verteilen der Töne, um vollkommene Balance und polyphone Stimmführung geht, die für beide Mozarts gleichermaßen charakteristisch sind.

Ungnädig war das Schicksal auch, als Franz Xaver sich in eine Frau verliebte, die bereits vergeben war, seine Liebe jedoch erwiderte. Diese Beziehung brach bis zu Mozarts Tod nicht ab. Das Unbehaustsein wurde zum integralen Bestandteil seines Gefühlslebens, das er aushalten musste: Zum einen der Schatten des übermächtigen Vaters, zum anderen die recht ehrgeizige, zu einer gewissen Einfalt neigende Mutter, und schließlich die Frau seines Lebens, die er mit einem anderen teilen musste... Dass sein Leben stark melancholische Züge annahm und seine Lebensenergie mit den Jahren schwächer wurde, ist ebenso traurig wie nachvollziehbar.

Aus heutiger Sicht kann man dem Werk Franz Xaver Mozarts den ihm gebührenden Platz zuweisen: Keiner vor ihm hat dieses so eigentümliche Lebensgefühl in den Polonaisen so zu gestalten gewusst wie er, und viele Wendungen, Gesten, Linien und rhythmische Motive, die er miteinander verwob, fanden später den Weg in das, was wir Romantik nennen.

Dass der junge Chopin – der während seiner Kindheit ausschließlich Polonaisen komponierte – Franz Xaver Mozarts Zyklen kannte, ist zwar nicht belegt, aber durchaus möglich, zumal sein Klavierlehrer, der Böhme Vojtech Živný, mit allen musikalischen Neuheiten aus der Donaumonarchie vertraut war. Es ist nicht auszuschließen, dass Chopin als Kind den konzertierenden Pianisten Mozart in Warschau erlebt hat! Die Bedeutung der Nocturnes von John Field (1782 -1837) für das Werk Chopins steht inzwischen außer Frage und ist gut dokumentiert. Ist es mehr als ein skurriler Zufall, dass Fields Geburtstag (26. Juli) mit jenem Franz Xaver Mozarts übereinstimmt, der Chopin womöglich den Weg in „die Polonaise“ gewiesen hat?

Yaara Tal

Polonaise

Franz Xaver Mozart 1825 (K. G. Schweikart) | Frédéric Chopin 1829 (A. Mieroszewski)

"COLORS"

Es gibt kaum eine Phase der Musikgeschichte die so bunt war, so vielfältig an Ideen, Richtungen und Strömungen wie die Zeit um die Wende zum 20 Jahrhundert. Die Zentren dieser Schöpfungsfülle waren Wien und Paris.

Die COLORS CD hat Paris im Blick und zwei Komponisten die für die heranwachsende "Moderne" von enormen Bedeutung waren: Debussy und Strauss.

Das Repertoire mit La Mer, l'aprês-midi d'un faune, Till Eulenspiegel , Salome und Rosenkavalier, präsentiert absolute Highlights dieser Epoche in hervorragenden Transkriptionen.

Im Spannungsfeld zwischen dem Werk von Debussy und Strauss sucht diese CD ihren Weg und ist damit nach "1915" die nächste Produktion des Duos, die sich mit Debussy im Lichte seiner Zeitgenossen befasst, und unweigerlich wieder den Bogen bis Wagner spannt ("Die Berauschten". Wagnerverehrung an beiden Rheinufern).

Salome

Nijinsky in L'après-midi d'un faune | Plakat Salomé

"1915"

Im Januar 1915, vor genau 100 Jahren, komponierte Reynaldo Hahn (1874 - 1947) drei "Wiegenlieder" für einen schwer verwundeten Soldaten. Diese köstlichen Miniaturen, voll Esprit und Intimität, liefern ein Beispiel für die intensive und höchst individuelle Auseinandersetzung französischer Musiker mit dem Thema "Krieg". Hahn selber wurde eingezogen und musste an die Front, wo er trotz eines martialischen Alltag Zeit und Muse gefunden hat, eine umfangreiche Walzer-Suite mit dem Titel "Le ruban dénoué" (Das entknotete Band) zu komponieren. Ein erstaunlicher Zyklus, der von den Wirren und dem Leid des Krieges allerdings keine Spur aufweist. Die Musik pendelt zwischen verträumt-sentimentalen und verführerisch-schwärmerischen Tänzen, die eher einen Gegenentwurf als eine Schilderung der damaligen Realität präsentieren. Reynaldo Hahn, wenn überhaupt eher als Lied- und Chansonkomponist bekannt, entwickelte eine äusserst raffinierte und eigenwillige pianistische Schreibweise, die nur scheinbar einfach und selbstverständlich klingt, dabei aber im Detail (für den Spieler) unvorhersehbar und teilweise auch rätselhaft bleibt.

Dagegen fühlen sich die im Stil viel avantgardistischeren Debussy-Preziosen eher geradlinig an. Das enigmatische Triptychon "En blanc et noir", ein "Kriegsstück" par excellence, ist ein komplexes Werk, gespickt mit zahllosen gedanklichen und begrifflichen Elementen in Form von (musikalischen) Zitaten, verbalen Mottos, widersprüchlichen Spielanweisungen, schriftlichen Begleiterklärungen etc etc. Der kulturell-politische Hintergrund dieses Werks ist die Kampfansage Debussys an "das Deutsche" im Allgemeinen, und insbesondere an Richard Wagner als dessen künstlerischer Hauptvertreter. (Mehr zu diesem Thema findet sich als eine PDF Datei in der Abhandlung "Zurück vom Ring!" am Ende dieses Beitrags)

Die jeglicher Realität fernen "Six Épigraphes antiques" gehen in ihrer Ungebundenheit an tradierter Musiksprache noch einen Schritt weiter und schaffen eine eigentümliche Mixtur zwischen Deskription und Abstraktion.

Ein Blick auf die genauen Satzangaben und angehängten Texte (s.u.) öffnet den Einblick in einen Raum voller Poesie, die der ohnehin bereits sinnlichen Klangwelt einen zusätzlichen Inspirationsschub und Phantasiereiz verleiht.

Diese CD erschien am 14.8.2015.

SIEBEN LETZTE WORTE

In den letzten Oktober-Tagen 2013 habe ich eine Solo-CD aufgenommen. Im Mittelpunkt stand Haydns Passionsmusik "Die letzten sieben Worte unseres Erlösers am Kreuze". Das Werk, ursprünglich für Orchester komponiert, gehört in der Version für Streichquartett zum Kernrepertoire dieser Gattung. Dass es auch eine Fassung für ein Tasteninstrument gibt, ist weniger bekannt. Als der Henle Verlag vor einigen Jahren das Werk zum ersten Mal in einer verlässlichen Edition vorlegte, reizte es mich, diese Meditation einmal auf dem Klavier zum Erklingen zu bringen.

Über meine Beziehung zum Werk und über das CD-Konzept habe ich die beigefügte Abhandlung verfasst.

Yaara Tal

Diese CD erschien am 5.9. 2014.

Arnold Schönberg Center
Yaara spielte ihr Programm "Sieben letzte Worte" im Arnold Schönberg Center in Wien am 24.3.2015

Tal & Groethuysen  Tal & Groethuysen
Tal & Groethuysen  Tal & Groethuysen



Reynaldo Hahn

Der Komponist Reynaldo Hahn (1907).
Ein Portrait von Lucie Lambert

Rossini: Petite Messe Solennelle.
Eine Liebeserklärung an die Religion

"Apropos Musik, ich weiß nicht, ob Euch bekannt ist, daß ich eine Messa di Gloria für vier Stimmen komponiert habe, welche ihre Aufführung im Palast meines Freundes Graf Pillet-Will hatte. Diese Messe wurde aufgeführt von tüchtigen Künstlern [...] und begleitet von zwei Klavieren und einem Harmonium. Die führenden Komponisten von Paris (einbegriffen mein armer Kollege Meyerbeer, der nicht mehr unter den Lebenden weilt), haben mich - entgegen meinem Verdienst - sehr gelobt. Man will, daß ich sie instrumentiere, damit sie dann in irgendeiner der Pariser Kirchen aufgeführt werden kann. Ich habe Widerwillen, solche Arbeit zu übernehmen, weil ich in diese Komposition all mein kleines musikalisches Wissen gelegt habe und weil ich gearbeitet habe mit wahrer Liebe zur Religion."

So schreibt Rossini an Liszt 1865 in seiner humorvollen und schalkhaften Art. Tatsächlich hat er später insgeheim das Werk doch orchestriert, aus Angst, ein anderer könnte es machen und den so spezifischen Charakter dieser zauberhaften Komposition zerstören.

„Petite“ ist die Messe, was Länge und Tiefe anlangt, allerdings nicht! Diese Bezeichnung galt der ursprünglichen Vokalbesetzung, die mit 12 Sängern (inkl. Solo Stimmen) recht intim war. Es gibt wohl kein zweites Werk, das den sakralen Text mit so viel Wärme umhüllt, ohne dabei ins Folkloristische abzugleiten. Stets edel und kraftvoll widerspiegelt die Musik in einer natürlichen, ja authentischen Weise das Gefühl eines Glaubens, der sowohl im Irdischen wie auch im Himmlischen beheimatet ist.

Wir lieben diese Messe besonders und hegten seit längerem den Wunsch das Werk auch einzuspielen. Die Aufnahme, mit Peter Dijkstra und dem Chor des Bayerischen Rundfunks erfolgte Ende Oktober 2013.

Diese CD erschien am 11.4.2014.

 


Rossini

Konzerte von Mozart und Czerny

In der letzten Januar-Woche haben wir ein weiteres CD-Projekt realisiert, dieses Mal mit zwei Klavierkonzerten. Es wird wie immer ein Produkt des Labels Sony Classical, in diesem Fall in einer Koproduktion mit dem BR.

Zusammen mit dem Dirigenten Bruno Weil und dem Rundfunkorchester des BR konnten wir das Konzert für ein Klavier zu vier Händen und Orchester von Carl Czerny einspielen, nebst Mozarts Doppel-Klavier-Konzert KV 365.

Das Czerny-Konzert ist eine wahre Rarität mit zauberhaften Momenten, vor allem in den lyrischen Passagen (wer hätte das gedacht?) und man hört schon Chopins zukünftige Nocturne-Handschrift. Die Ecksätze verlangen dabei von den Pianisten eine souveräne Beherrschung der berühmt-berüchtigten Etüden des Meisters ...

Das Geburtsjahr Czernys (1791) markiert auch das Todesjahr Mozarts. Sein Konzert für zwei Klaviere und Orchester ist keine Rarität, aber ein Juwel der Perfektion und Schönheit.

Zum Ende der viertägigen Aufnahmesession entstand das entspannte und heitere Foto mit dem Dirigenten Bruno Weil (ganz links), nebst Christian Rabus (dem Klaviertechniker) und Jörg Moser (dem Tonmeister).

Diese CD erschien am 14.02.2014.



Neue CD-Aufnahme
Aufnahme der neuen CD